Freitag, 25. Mai 2007

Kunden sind ja für Gewerbetreibende, zumal in Deutschland, eine beinahe genauso lästige Erscheinung wie eigene Mitarbeiter. Beides gilt umso mehr, je größer der Betrieb ist. Hat das Unternehmen erst einmal die Grenze zur börsenfähigen Konzerngröße überwunden, sonnen sich die Verantwortlichen am liebsten nur noch in den steigenden Ziffern der Aktienkurse, die bekanntlich mit dem realen Auftritt und Fortkommen des Unternehmens nicht unbedingt mehr etwas zu tun haben. Nicht anders jedenfalls ist zu verstehen, warum Unternehmen wie die Telekom oder OBI in selbstverliebter Arroganz einen ihrer Hauptvorteile freiwillig aus der Hand geben: die große Nähe zum Kunden aufgrund ihrer flächendeckend über die Republik verteilten Standorte, seien es nun T-Punkte oder Baumärkte.

Denn der Versuch, die örtliche Filiale auf der Suche nach einem ganz konkreten Gerät zu kontaktieren, um herauszufinden, ob es denn überhaupt vorrätig sei und man sich andernfalls die Anreise sparen kann, ist zum Scheitern verurteilt. Stattdessen wird man von den Telefonterroristen in den saftig teuren Warteschleifendschungel geschickt, der den verzweifelnden Kunden dann schließlich bei einem prekär beschäftigten Telefonisten in Ostsachsen stranden läßt, dem außer einem ratlosen "Nu, do gann ich Ihnen ooch nichd weidrhelfen" nichts Sachdienliches zu entlocken ist, schon gar nicht Informationen über den Ausstattungszustand bestimmter Filialen sechshundert Kilometer entfernt.

Wer hat eigentlich das Märchen in die Welt gesetzt, der kapitalistische Wettbewerb führe zwangsläufig zur fortlaufenden Verbesserung von Produkten und Dienstleistungen?


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Ich muss gestehen,
dass ich als Wirtschaftsjournalist an der Verbreitung dieser Mär zeitweise nicht ganz unschuldig gewesen bin. Ob es mich entlastet, dass ich diese Mär eine Zeitlang selber geglaubt habe, weiß ich nicht. Unstrittig ist aber, dass Monopole (zumal staatliche) ja auch kein Garant für Kundenzufriedenheit und niedrige Preise sind.

Jetzt im Nachhinein kann man sich natürlich auch leicht hinstellen, und der Telekom vorhalten, was damals alles besser funktionierte, als das Reichstelegraphengesetz von 1897 noch Geltung hatte. Aber sechs Wochen auf einen Anschluss warten und nur die Auswahl zwischen einem mausgrauen und einem sanitärgrünen Wählscheibentelefon haben will ja heute auch keiner mehr. Geschweige denn, wegen Verstoßes gegen des Fernmeldeanlagengesetz verknackt zu werden, nur weil man einen Akustikkoppler ans Netz klemmt und dafür den Telefonstecker aus der Wand zieht (das war vor Einführung des TAE-Steckers tatsächlich verboten).

Schwierig. Wie mans dreht und wendet, man landet in der Komplexitätsfalle...

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