Auf die Gefahr hin, Vorurteile gegenüber doofen Amerikanern zu bestärken, aber die Spon-Schlagzeile hat was:
"US-Terrorbekämpfer können Sunniten und Schiiten nicht unterscheiden"
...wobei wir nicht von Mr. oder Mrs. Couchpotatoe in Minnesota reden, sondern von den durch Hightech und Expertenwissen geleiteten Demokratie-Exporteuren. Würden deshalb nicht jeden Tag Menschen sterben, könnte man darüber lachen, aber so ist es nur zum Heulen.
Und gleich dazu noch die Erkenntnis, daß unsere deutschen Experten zwar mehr wissen, aber deshalb auch nicht unbedingt zu den Guten gehören:
"Blutverschmierte Dokumente, Häftlinge mit Folterspuren: Die Bundesregierung wusste von US-Folter"
Wozu genau ist der Westen doch gleich in den Irak eingefallen?
Langsam nervt die Reklamelawine für den Typen, der in Windeseile sein Erinnerungsbuch hat schreiben und 160.000fach dem Pöbel zum Fraß vorwerfen lassen: In d'r Glotz', im Radio sowieso, in der Zeitungbedruckten Arschwische aus Hamburg auch, selbst Konservendosen kann man zur Zeit nicht aufmachen, ohne daß Gerhard Schröder 'rauskommt. Ob ich noch auf's Klo gehen kann?

Herbstbegegnung
Kein basta!, aber eine (ungewollt offene und ehrliche?) Darlegung der Dinge, wie sie sind. Gerhard Schröder im Spiegel über die Große Koalition, ihre Entstehung und ihre Bewertung:
"Die ... Sache, die mich befremdet hat, war die Fixierung von Stoiber auf das Superministerium. Das hat natürlich dazu geführt, dass das übrige Programm der Koalition reichlich sozialdemokratisch wurde. Müntefering hat Stoibers Ambitionen von Anfang an unterstützt, gelegentlich auch gegen den Rat, den wir im Präsidium diskutiert haben. Wenn das Strategie war, war es genial. Wenn es Zufall war, war es immer noch gut."
Jetzt kann er sich ja Ehrlichkeit leisten. Besonders beeindruckend ist diese Einsichtnahme nicht, denn sie betätigt nur, was (nicht nur am Stammtisch) schon seit längerem geflüstert wird: daß es "denen da oben" als selbstreferentieller Gruppe um alles mögliche gehe, aber ganz sicher nicht um das Land.
Und der oberste Gasmann bestätigt es denn – notabene nach dem Mord an Politkowskaja - auch auf das allerdeutlichste:
"SPIEGEL Sie stehen zu jeder Ihrer Äußerungen, auch was den "lupenreinen Demokraten" Putin anbelangt?
Schröder: Auch was den lupenreinen Demokraten angeht. Ich habe daran nichts zu korrigieren."
Wir besichtigen einen Haifisch, der mit sich im Reinen ist.
Wieviele Mitglieder hat die einst stolze deutsche Sozialdemokratie noch?
... zur Unterschichtdebatte: Es sind dieselben, die jetzt ins große Betroffenheitsgetue ausbrechen ("wie kann das bloß sein?"), die für die intellektuelle Situation im Lande verantwortlich zeichnen. 35 Jahre sozialdemokratische Bildungsreform ("Chancengleichheit") und noch niemals in der Geschichte der Bundesrepublik, nicht einmal während der verzopften Adenauerjahre, hat so sehr das elterliche Bankkonto darüber entschieden, welchen Schulabschluß einer macht.
Das linke Juste Milieu hat sich jahrzehntelang in verächtlicher Überlegenheit gegenüber der sog. breiten Masse gefallen, sie vor den Kopf zu stoßen, auszuschließen, galt als Kennzeichen avantgardistischer Intell ektualität. Unsere Kulturpolitik, die bauchnabelpopelnde "Autorenfilmer" ins Kino und schräg klingende "Neutöner" in den Konzertsaal setzte, sah in leeren Reihen geradezu einen Ritterschlag. Die Masse überließ man den Gossenpöblern der BLÖD-Zeitung.
Sie haben die Situation selber herbeigeführt, die sie jetzt beheulen.
In einer Umfrage im Auftrag der BBC in 25 Ländern wurden knapp 30.000 Menschen gefragt, ob sie die Folterung Verdächtiger zur Rettung von Unschuldigen für zulässig halten. Das Ergebnis: Ein knappes Drittel hat nichts dagegen, in Israel beträgt die Zustimmung sogar 43%, wobei sich das Bild noch etwas komplizierter gestaltet, wenn man die Befragten nach ihrer Religionszugehörigkeit sortiert:
"A majority of Jewish respondents in Israel, 53%, favour allowing governments to use some degree of torture to obtain information from those in custody, while 39% want clear rules against it.
But Muslims in Israel, who represent 16% of the total number polled, are overwhelmingly against any use of torture."
Aha? Muslime, also Anhänger des Islam, der Religion der menschenverachtenden Massenmörder, haben doch etwas gegen Folter?
Den niedrigsten Zustimmungswert verzeichnete man in Italien, hier mag nur jeder siebte im Notfall zu glühender Zange oder Elektroschock greifen. Auch in Deutschland gab's übrigens Antwort vom Stammtisch: 21% der Befragten konnten sich für die Folter erwärmen. Gutes Spielmaterial für Populisten.
Sagenhaft. In Stockholm ist der Flux-Kompensator kaputt, die schaffen in Tagen, wozu andere Jahre oder Jahrzehnte brauchen.
Als Helmut Kohl 1982 die Macht im deutschen Lande (in der westlichen Hälfte) übernahm, rief er die "Geimokrindiula" ("die geistig-moralische Krise in diesem unserem Lande") aus, der die "Wende" die unmoralischen 68er-Flausen austreiben sollte. Wie es gekommen ist, wissen nur noch die alten Säcke und Leute mit einem wohlsortierten Archiv: Birne, Flickskandal, Blackout; gerettet wurde der Mann vom Mauerfall. Insgesamt 16 Jahre dauerte der Spaß.
In Schweden ist man hingegen modern, auch und gerade mit einer konservativen Regierung, die ihre Wahl mit einem Saubermann-Wahlkampf gegen die achso verfilzten Sozialdemokraten gewonnen hat. Zwei Minister sind schon weg vom Fenster, weil sie schwarz Fernsehen geguckt und Kindermädchen angestellt haben. Aktuell wackelt Nr. drei, der Finanzminister (!), der es auch nicht so mit der Ehrlichkeit hatte. Von den Rücktrittskandidaten Nr. vier, fünf und sechs berichtet Spon.
Beim Kuchenbacken den Tortenboden "Unterschicht" nennen.
Wieso eigentlich regen sich jetzt alle so dermaßen künstlich über das Wort von der "Unterschicht" auf? Weil es so gemein und unkorrekt ist? Aber warum soll ein Wort schöner sein als die Zustände, die es beschreibt?
Da ist es doch beruhigend zu wissen, daß wenigstens unsere deutschen Topmanager endlich angemessen zu viel Geld verdienen.
