Es gibt Filme, die können noch so ambitioniert Independent-mäßig und natürlich mit englischem Originaltitel daherkommen - ein Blick aufs Plakat, und die Sache ist gelaufen.

Wenn ich dann feststelle, daß die Facebookseite des betrügerischen Barons mit dem tremolierenden Titel "Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg" bald 200.000 Fans hat (>klick!<); wenn ich lese, daß beim Auftritt seiner Gnaden gestern Abend im hessischen Kelkheim der örtliche CDU-Häuptling sich unter dem Jubel der Anwesenden wie folgt eingelassen hat: "Seien Sie sich versichert, dass wir hier zu Ihnen stehen. Sie stehen für klare Worte, für Grundsätze und Zuverlässigkeit" und daß niemand gelacht hat; wenn ich dann das Bild ansehe, das seine Gnaden beim triumphalen Einzug dortselbst zeigt (>klack!<)...
... dann frage ich mich wieder einmal, in welch einem Lande ich eigentlich lebe.
Bleibt zu hoffen, daß wir, nachdem wir gestern noch über schicke Anzüge, Dressman-Qualitäten, Kernerauftritte, Lichtgestalteinschätzungen und stets optimal sitzende Frisuren geredet haben, heute dann über geklaute Doktorarbeiten, daß wir morgen endlich über die wichtigen Dinge wie Krieg und Frieden, Leben und Sterben in Afghanistan sprechen können.
Jaja, als Millionenerbe Model Politiker hat man fürs akademische Kleinklein nicht immer die nötige Zeit. Da läßt man schon mal fünfe gerade sein und kupfert bei der Doktorarbeit seitenweise Frendtexte ab und vergißt dann auf dem Weg zur Abgabe, diese in den Fußnoten zu erwähnen. Kann schon mal passieren. selbst dem derzeitigen deutschen Beliebtheitskönig Karl Theodor zu Guttenberg. Dessen Doktorarbeit ist trotz untertänigst ergangener Prämierung summa cum laude wohl doch nicht über jedes Lob erhaben. Die Süddeutsche Zeitung berichtet ganz aufgeregt vom Plagiatsvowurf und schließt ihre Meldung mit der Beruhigung: "Mit Schlampigkeit oder Hilfe von anderen erwirbt man sich freilich auch keine akademischen Meriten."
Na, war da nicht was mit der Gefälligkeitspromotion von Ministerküken Schröder, die sich ihre Arbeit von anderen schreiben ließ?
Gottschalk hört bei "Wetten daß" auf. Wer soll's nun machen?
"Ich denke auch, dass Oliver Geissen die ideale Besetzung wäre: Er tut keinem weh und er ist es gewöhnt, mit Prominenten auf einer Kautsch sitzend Belanglosigkeiten auszutauschen. (…) Als Sidekick schlage ich Monika Lierhaus vor, für’s Gemüt und die Gänsehaut."
Also ich wäre ja für Sascha Lobo.
Ich hatte mich schon im letzten Jahr gewundert, wie sehr Ex-Bischöfin Käßmann allenthalben gelobt wurde, nur weil sie nach ihrer nächtlichen Promillefahrt quer durch Hannover die einzige Konsequenz zog, die möglich ist, zumal für ein selbsternanntes moralisches Vorbild: Rücktritt.
Aber daß Käßmann für ihre Heldentat nun den von der "Kulturstiftung Pro Europa" (nie zuvor was davon gehört) ausgelobten "Preis für Zivilcourage" erhalten soll, und zwar mit richtig Tamtam in der Frankfurter Paulskirche, das ist nur noch als Realsatire anzusehen. Immerhin, die Fangemeinde der ohnehin recht medienaffinen Dame werden erfreut über die erneute Erhöhung ihres Idols aufjauchzen
Was ist eigentlich mit Hosni Mubarak? Der hat nach seinem Rücktritt ja jetzt auch viel Zeit und würde sich über einen schönen Kulturpreis bestimmt freuen.
Mubarak ist fort und nun geht unter den verbliebenen Potentaten Arabiens die Angst um. Düpiert sieht der Westen sein Sicherheitskonzept in Trümmer sinken, das sich auf der mit eiserner Diktatorenfaust gewährleisteten Friedhofsruhe stützte. Die Europäer sind wieder einmal nur Zaungäste der Ereignisse.
Doch es gibt noch einen Verlierer der Ereignisse in Kairo, einen bislang ungenannten und trotzdem einer der wichtigsten auf der Liste, George W. Bush. Der Mann, der mit Waffen, Bomben, Panzern, Luftangriffen, Shock an awe, Wasserfolter und Abu Graib die Demokratie (oder was er dafür hält) in die islamische Welt tragen wollte, ist ein weiteres Mal und diesmal endgültig gescheitert. Die Bewegung des Volkes ist andere Wege gegangen. Weder der Irak noch Afghanistan wurden zum Fanal gegen Unterdrückung und für Befreiung, eher noch im Gegenteil. Es hat nicht einer bis an die Zähne bewaffneten und dennoch schwachen Supermacht bedurft.
Es hat mit einem Studenten angefangen.
