Eben zu derselben Stunde gingen hervor Finger wie einer Menschenhand, die schrieben, gegenüber dem Leuchter, auf die getünchte Wand in dem königlichen Saal; und der König ward gewahr der Hand, die da schrieb. Da entfärbte sich der König, und seine Gedanken erschreckten ihn, daß ihm die Lenden schütterten und die Beine zitterten.
Das aber ist die Schrift, allda verzeichnet: Mene, mene, Tekel, U-pharsin. Und sie bedeutet dies: Mene, das ist Gott hat dein Königreich gezählt und vollendet. Tekel, das ist: man hat dich in einer Waage gewogen und zu leicht gefunden."
Dan 5, 5-6; 25-27
Da sprachen die Weisen zu Pharao: Das ist Gottes Finger. Aber das Herz Pharaos ward verstockt, und er hörte sie nicht, wie denn der Herr gesagt hatte."
Ex 8,15
Julian Assange und Daniel Domscheit-Berg. Welch ein Trauerspiel um Wikileaks und Openleaks. Im Grunde streiten sich zwei Datenhehler ums Diebesgut und bewerfen sich ansonsten mit Dreck, inkl. anwaltlicher Munitionierung. Das Projekt der unmittelbaren Datenfreigabe jedoch ist derzeit mausetot. Assange tingelte mit seinem Material bei verschiedenen Verlegern und rückte sein Material nur häppchenweise heraus. Und Domscheit will derzeit erst einmal gar nichts veröffentlichen. Da können sich die zwischenzeitlich doch arg angefressenen Verantwortlichen in Washingtoner bzw. sonstigen Regierungsstuben und Lobbyverbänden der Contentindustrie die Hände reiben, ohne daß sie diese zuvor überhaupt hätten rühren müssen.
Der alte Merksatz gewinnt schon wieder Aktualität: Vermute nie eine Verschwörung, wo Dummheit als Erklärung ausreicht.
~~~
Wieso muß ich eigentlich andauend an Stanisław Lems "Memoiren, gefunden in der Badewanne" denken?
Diese damned Schweizer! Da liegen sie nun den lieben langen Tag vor dem Mammon im Staub und trotzdem erweisen sie dem Mutterland der gottgefälligen Finanzmacht (Calvin zufolge) nicht nur nicht die gebotene Observanz, nein, sie stecken Abkömmlinge von God's own Country schon mal in Untersuchungshaft. Zum Beispiel weltbekannte Kulturschaffende, deren einziges Problem darin besteht, Kinder mit Alkohol zu betäuben und sie anschließen zu vergewaltigen.
Aber George W. Bush hat aus den gräßlichen Erfahrungen Roman Polanskis gelernt. Er wird nicht den gleichen Fehler machen und sich der Justiz-Willkür dieser helvetischen Bergbewohner ausliefern. Weshalb der Ex-US-Präsident auch einen Besuch in der Schweiz absagte. Denn der Mann, der hunderttausende Zivilisten umbringen ließ doch das Licht der Freiheit und Demokratie in den mittleren Osten brachte, läuft Gefahr, wegen seiner Foltermaßnahmen juristisch belangt zu werden.
Ob wenigstens wir Deutschen… ach was. Wir haben ja auch für andere Potentaten und deren Sprößlinge ein allzeit offenes Ohr. Wie der waffenschmuggelnde Sohnemann des libyschen Haremswächters Ghaddafi auf Anfrage gerne bestätigt. Man kennt sich, man hilft sich.
Verständlich, daß nicht nur der italienische Regierungshalunke Berlusconi, sondern der ganze Westen sich schwertut, auf Mubarak zu verzichten. Denn wenn man Frieden, Demokratie und Menschenrechte vorantreiben will, dann ist es immer gut, dabei einen Diktator zu haben, auf den man sich verlassen kann.
Ben Ali in Tunesien weg, Mubarak in Ägypten vielleicht auch bald weg... wie lange noch, bis sich die Leute in Rom, Mailand und anderswo zusammenrotten, um "Bunga-Bunga" Berlusconi vom güldenen Thron zu stoßen?
Nerdcore ist weg vom Fenster. Alle Beteiligten bemühen sich nach Kräften, sämtliche Klischees zu erfüllen, auch die längst zu Tode gerittenen. Webdienstleister Euroweb ist wegen René Walters drastischer Kritik an seinen Webdienstleistungen beleidigt und erstreitet via Abmahnung und Gerichtsverfahren eine Pfändung. René Walter benimmt sich wie ein pöbelnder Troll und faselt davon, Euroweb in "Geschnetzeltes" zu verwandeln.
Es ist zum Heulen. Arschlöcher und präpubertierende Wüteriche. Internet 2011.
Von der Brachialpopulistin Sarah Palin und ihrer mit Fadenkreuzen übersäten US-Landkarte zur Identifizierung des demokratischen Feindes wurde ja schon berichtet.

Aber eigentlich ist etwas anderes noch viel mehr geeignet, das amerikanische politische Klima in all seiner bösartigen Vergiftung deutlich zu machen. Ein Klima, das den Amoklauf in Arizona sehr beförderte, der sechs Tote (darunter ein neunjähriges Mädchen) forderte und die demokratische Kongreßabgeordnete Gabrielle Giffords lebensgefährlich verletzte.
Ich meine ihren Mitbewerber um das Kongreßmandat, den republikanischen Kandidaten Jesse Kelley. Als Irak-Veteran posiert der 29-jährige Ex-Marine im martialischen Flecktarn und mit nicht minder martialischen Sprüchen.

In Deutschland würde sich nicht einmal die NPD trauen, ihre Kandidaten auf diese Weise zu präsentieren. In den USA gehört man mit diesem rechtsextremen Getue zum Mainstream der Grand Old Party.
