Wie schön, daß es auch in unserer schnellebigen Zeit verläßliche Konstanten gibt, die uns Halt und Orientierung geben.
Sommer ist, wenn bei den ICEs die Klimaanlagen kaputtgehen.
Das war er also, der evangelische Kirchentag. Zehntausende drängten sich, um ergriffen den kuscheligen Eiapopeia-Banalitäten der Ex-Bischöfin Käßmann zu lauschen. Man diskutierte ernsthaft, ob nicht das Glaubensbekenntnis als Ballast abgeschafft werden solle, wo es doch nur mehr eine Art mytholgischer Museumsgegenstand sei. Ansonsten hatten sich natürlich wieder alle lieb.
Bloß die Gottesdienste, die werden ab dem nächsten Sonntag wieder genauso gähnend leer sein wie zuvor.
Man hört geradezu, wie in den Redaktionen hinter vorgehaltener Hand ein Seufzer der Erleichterung ausgestoßen wird. EHEC! Endlich mal eine richtige Krankheit, an der auch Leute sterben! Nach all den nachrichtentechnischen Blindgängern von BSE über Sars, Vogelgrippe bis zu Schweinegrippe darf sich endlich mal richtig gegruselt werden. Schon neun Tote!
Das ist übrigens der durchschnittliche Blutzoll, den ein friedlicher Freitagnachmittag auf Deutschlands Straßen fordert.
Wirklich merkwürdig, warum sich das Wetter beharrlich weigert, wenigstens ein paar Regentropfen dazulassen. Eine Tiefdruckzone nach der anderen zieht über uns hinweg, im Gepäck auf dem Wetterradar sehnsüchtig betrachtete Regengebiete und kaum sind sie kurz vor Köln, schwupp! sind sie verschwunden und nichts ist's mit dem fruchtbringenden Naß.
Einerseits ganz gut, weil Schneckenfraß mangels Schnecken ausbleibt. Andererseits geraten sämtliche Pflanzen etwas kümmerlich, die Hecken haben seit dem Schnitt vor einem Monat beinah komplett das Wachstum eingestellt.
Ich seh es schon kommen. Allein aus statistischen Gründen wird ab 1. Juni ein erschröcklicher Dauerregen über uns kommen und den momentan betonfesten rheinischen Löß in grundlosen Morast verwandeln.
Da wundern sich manche, warum es in der CDU spätestens jetzt, nach dem gestrigen Bremen-Debakel (20 Prozent! Dritter! Noch hinter den Grünen!) nicht endlich zur Nacht der langen Messer kommt. Also ob sich da irgendwelche Jungrevolutionäre unter Absingen des Liedes "Wir woll'n uns're alten Werte wiederhaben" gegen Mutti erheben und die Mehltau-Kanzlerin, die die Partei bis zur völligen Gesichtslosigkeit entkernt hat, vom Hof jagen würden. Natürlich wird dergleichen nicht geschehen. Erstens gibt es in der Union keine Jungrevolutionäre mehr, nur noch Philipp Mißfelder. Und zweitens steht den Schwarzen das lehrreiche Beispiel der FDP vor Augen. Die haben jetzt einen ganz lieben Parteichef, der ganz modern ist, wie die anderen liberalen Kinderstars auch. Zum Dank hat die FDP jetzt ein Ergebnis eingefahren, das sie unter die Wahrnehmungsgrenze gedrückt hat.
Die Koalition wird also bis 2013 weiterwurschteln wie bisher und dann gegen die SPD verlieren. Die ist witzigerweise in einer ähnlich traurigen Lage und wird dann mit Hannelore Kraft ins letzte Gefecht gehen. Die Regierung der hängenden Mundwinkel wird uns also auf jeden Fall erhalten bleiben.
Was bin ich froh, wenn diese Grand-Prix-Schnulziade namens ESC endlich vorbei ist. Derzeit & seit Tagen trotz miserabelster Quoten Frontberichterstattung auf allen Kanälen, da wird selbst in den Öffentlich-Rechtlichen massig Sendezeit darauf verwandt, um uns noch mit der letzten Kleinigkeit vom Wesen und Werden des seichten Gedudels zu belästigen. Dabei handelt es sich im Grunde nur um eine Art musikalisch erweiterte Version des Christopher Street Days, dessen Protagonisten uns ja ebenfalls alljährlich mit unvergeßlichen Kostproben des schlechten Geschmacks langweilen.
Den schönsten Nachruf auf Silvana Koch-Mehrin findet der geneigte Leser bei tagesschau.de: "Es bleibt ihr dafür die Ehre, 'Frau des Jahres' der Zeitschrift 'Freundin' gewesen zu sein. Und - nicht zu vergessen - Jury-Mitglied des 'Prix Veuve Cliquot', den die exklusive französische Schampusfirma verdienten Unternehmerinnen verleiht."
Da hat sich die Leistung ja doch gelohnt.
