Nein, ich habe tatsächlich keine Lust, auf die neuesten Meldungen aus dem postprivatösen Dilettantenstadel einzugehen. Einmal reicht. Und die Attitüde der (unfreiwillig nur allzu glaubhaft wirkenden) Schizophrenie macht das Geschreibsel ebensowenig relevanter wie die neuesten Blähungen aus dem Borgwürfel à la mspro oder des Zwangsexhibitionisten Jens Best.
Soll das der Don machen.
Auch wenn die Parteihäuptlinge sich jetzt preisen, weil Thilo Sarrazin samt seinen "Querdenkerfähigkeiten" der SPD bis auf weiteres erhalten bleibt, darf füglich bezweifelt werden, ob sich die Sozialdemokraten mit dem Verbleib ihres Rasse- und Eugenik-Beauftragten wirklich einen Gefallen tun.
Und da hatte ich geglaubt, Gerhard Schröder hätte schon sämtliche inhaltlichen Bastionen der SPD geschleift.
Und? Ist nun irgendjemand daran gestorben, daß er sich am stillen Feiertag, an einem von 365 Tagen im Jahr, nicht zu Tode amüsieren konnte?
Die Rating-Agentur Standard & Poors beurteilt die zukünftige Kreditwürdigkeit der USA "negativ", läßt die Aktienkurse taumeln und sorgt damit für eine Menge verbranntes Geld.
Ein schöner PR-Effekt für die feinen Herren, denen die Auswirkungen ihres Tuns nach branchenüblicher Manier völlig schnuppe sind. Doch nicht nur düpierte Aktieninhaber fragen sich wohl, wann es endlich ein unabhängiges (!) Rating für Rating-Agenturen gibt.
Im Bäumchen-wechsel-dich der Parteipositionen kommt man als Otto Normalwähler schon lange nicht mehr hinterher. Vor ein paar Jahren schrottete Gerhard Schröder die SPD mit einer programmatischen 180°-Wende bei voller Fahrt, Merkel tut es ihm gleich und hat sich von der einstigen neoliberalen Reformdomina zur dunkelsgrünsten Volksführerin aller Zeiten gewandelt und nebenher die CDU vom störenden Ballast inhaltlicher Eckpunkte befreit.
Doch die Konservativen müssen sich und die Union noch nicht völlig aufgeben. Im Moment erschließt Rot-Grün neue Wählerschichten und macht sich für die Sonntagsruhe stark. Da ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch die Union im Vollgalopp sich dieser modernen, ihr eigentlich fremden Programmatik annimmt. Spätestens nach der übernächsten Volte.
Immerhin wird Guido Westerwelle in den Lehrbüchern der Politik einen bleibenden Platz bekommen: als das hervorragendste, bis an die Grenze des Möglichen durchexerzierte Peter-Prinzip: Aufstieg und Beförderung bis zum offensichtlichen Erweis seiner Unfähigkeit.
Es sagt ja auch einiges über die Kompetenz unserer welterklärenden Journaille aus, wenn bald zwei Monate nach dem Beginn der Proteste in Libyen und der seither anhaltenden 24/7-Berichterstattung das Land immer noch von beinah jedem "Lühbien" genannt wird.
