Dienstag, 12. September 2006
Verherrlichung der Nutzlosigkeit

Die schönste Zeit im Jahr, im Leben, im Jahr? Lassen Sie mich nachfühlen.

(...) Die fünfte.

"Es gibt keine fünfte."

Es gibt eine fünfte. Hör zu:


Gaillardia

Wenn der Sommer vorbei ist und die Ernte in die Scheuern gebracht ist, wenn sich die Natur niederlegt, wie ein ganz altes Pferd, das sich im Stall hinlegt, so müde ist es; wenn der späte Nachsommer im Verklingen ist und der frühe Herbst noch nicht angefangen hat: dann ist die fünfte Jahreszeit.

Nun ruht es. Die Natur hält den Atem an; an andern Tagen atmet sie unmerklich aus leise wogender Brust. Nun ist alles vorüber: geboren ist, gereift ist, gewachsen ist, gelaicht ist, geerntet ist - nun ist es vorüber. Nun sind da noch die Blätter und die Gräser und die Sträucher, aber im Augenblick dient das zu gar nichts; wenn überhaupt in der Natur ein Zweck verborgen ist: im Augenblick steht das Räderwerk still. Es ruht.

Mücken spielen im schwarz-goldenen Licht, im Licht sind wirklich schwarze Töne, tiefes Altgold liegt unter den Buchen, Pflaumenblau auf den Höhen ... kein Blatt bewegt sich, es ist ganz still. Blank sind die Farben, der See liegt wie gemalt, es ist ganz still. Boot, das flußab gleitet, Aufgespartes wird dahingegeben ... es ruht.

So vier, so acht Tage
Und dann geht etwas vor.

Eines Morgens riechst du den Herbst. Es ist noch nicht kalt; es ist nicht windig; es hat sich eigentlich gar nichts geändert und doch alles. Es geht wie ein Knack durch die Luft, es ist etwas geschehen; so lange hat sich der Kubus noch gehalten, er hat geschwankt . . ., na . . ., na . . ., und nun ist er auf die andere Seite gefallen. Noch ist alles wie gestern: Die Blätter, die Bäume, die Sträucher ... aber nun ist alles anders. Das Licht ist hell, Spinnenfäden schwimmen durch die Luft, alles hat sich einen Ruck gegeben, dahin der Zauber, der Bann ist gebrochen, nun geht es in einen klaren Herbst. Wie viele hast du? Dies ist einer davon. Das Wunder hat vielleicht vier Tage gedauert oder fünf, und du hast gewünscht, es solle nie, nie aufhören. Es ist die Zeit, in der ältere Herren sehr sentimental werden; es ist nicht der Johannistrieb, es ist etwas andres. Es ist: optimistische Todesahnung, eine fröhliche Erkenntnis des Endes. Spätsommer, Frühherbst und das, was zwischen ihnen beiden liegt. Eine ganz kurze Spanne Zeit im Jahre.

Es ist die fünfte und schönste Jahreszeit.


Kurt Tucholsky, Die Fünfte Jahreszeit

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Montag, 11. September 2006

"The 'war on terror' - and by terrorists - has directly killed a minimum of 62,006 people, created 4.5 million refugees and cost the US more than the sum needed to pay off the debts of every poor nation on earth."

The Independent



[Via]

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Sonntag, 10. September 2006
11. September 2001

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Samstag, 9. September 2006
Snupfen

Effiziente Lebens- und Arbeitsverhinderung: Spätsommergrippe in Kombination mit einer akuten Heuschnupfenattacke.

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Freitag, 8. September 2006

Das ging ja schnell. Die kläffende Medienmeute hat die Kampusch in die Glotz' gehetzt und da saß sie nun und bot sich anrührend dar. Immerhin: besser Selbstvermarktung als von BLÖDKronenzeitung usw. fremdverwurstet zu werden.

Irgendjemand schrieb noch, die Kampusch hätte wie eine Mischung aus BDM-Girl und Madonnenikone gewirkt. Stimmt. Die Projektionsmechanismen sind ähnlich.

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Mittwoch, 6. September 2006

Mildes Septemberlicht, das nur der Beo drei Gärten weiter mit seinem ebenso regelmäßigen wie metallischen Kreischen zerschlitzt.

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Micro$oft [patentiert]™ Verbkonjugation

Kein Wunder, daß die Gates of Hell vor lauter Dollars [überquellen]™, die [machen]™ aus allem Geld: Der allerneueste Streich: Die Redmonder [planen]™ ein System zur Auswahl und Konjugation von Verben.

Hier die Patentanmeldung.

Bald [werden]™ alle Texte so [aussehen]™ wie dieser hier.

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Dienstag, 5. September 2006
Problem-, Lügen- und andere Bären

... oder die Stunde Null des "Bürgerjournalismus".

Er streunte durch die Gegend und machte Probleme, schließlich war er hungrig, der Bruno. Und so ein Bär hat einen ordentlichen Appetit. Das ängstigte jedoch die wackere Landbevölkerung und so fand der Migrant aus dem Süden ein vorschnelles Ende durch die Flinte eines ebenso wackeren Waidmannes. Nur ein Bild existierte vom Dahingegangenen und wurde für ordentlich Geld an Agenturen und Zeitungen verkauft. Bloß: er isses gar nicht, der Bruno. Was da verwackelt handyniert wurde, war bloß ein langweiliger Gehege-Petz, alles nur Schmu und Betrug. Wie passend, daß der Stern nun exakt damit für sein "Bürgerjournalismus-Portal" Reklame macht.

Naja, mit Fälschungen haben die ja Erfahrung.

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