Montag, 15. Mai 2006

Das glückliche Gesicht aller Menschen, wenn sie Luftbläschenfolie mit den Fingern zerdrücken.

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Samstag, 13. Mai 2006
Sieben Brücken

In der Regel ist Straßenbahnfahren ja nicht das reine Vergnügen. Entweder ist es früher Morgen und die Bahn demgemäß proppevoll und du kannst das distanzierte Verhältnis vieler Zeitgenossen zur morgendlichen Wäsche förmlich riechen (im Sommer potenziert sich dieser Effekt), oder es ist Nachmittag und die Bahn demgemäß proppevoll... aber lassen wir das. Heute soll ausnahmsweise mal nicht gemäkelt werden, obwohl der Kölner an sich ja ein eher gespanntes Verhältnis zu seinen Nahverkehrsbetrieben unterhält (unerreichtes Zitat aus einen Buch über die Domstadt: "Es ist uns nicht gelungen, irgendjemanden in Köln anzutreffen, der mit dem Begriff KVB etwas anderes verbindet als blanken Haß"). Doch zuweilen geschieht es, daß du unverhofft Zeuge kleiner Ereignisse oder Begegnungen wirst, Miniaturen hiesiger Eigenheit, die dann sogar menschlich und liebenswert sind.

Sieben Brücken überspannen den Rhein auf Kölner Stadtgebiet, und über einige führen Gleise der Straßenbahn, das urbane Leben links- und rechtsrheinisch zu verbinden. Ein vergeblicher Versuch. Auch im Zeitalter multimedialer Kommunikation trennt der Fluß die beiden Hälften Kölns, wie es vergleichsweise die Berliner Mauer selbst in den finsteren Tagen des kalten Krieges nicht vermocht hat. Aber dennoch fahren die Leute über diese Brücken, manche im Auto, manche in der Straßenbahn. Nun pflegen die meisten Straßenbahnfahrer auf der freien Strecke über den Rhein mächtig Tempo zu machen und kommen dann mit ca. 80 Sachen in einer weitgeschwungenen Linkskurve an der ersten Haltestelle an. Die Kombination aus Flieh- und Bremskräften läßt dann Leute, die sich nicht umsichtig verkeilt haben, gar lustig durch die Bahn purzeln. So auch im Fall einer alten Dame. Diese stand nahe einer Ausstiegstüre, ein zierliches Persönchen, kaum einssechzig groß, mit zart geblümtem Kleide und fliederfarbenem Haar. Neben ihr saß, offenkundig erschöpft von des Tages Mühen und auf dem Heimweg, ein Mann in blauer Handwerkerkluft, ein junger, aber riesiger Kerl mit wilder schwarzer Haarmähne, titanischen Oberarmen, grabschaufelgroßen Pranken auf gewaltigen Oberschenkeln, im Sitzen überragte er noch beinahe die alte Dame. Als nun die Bahn ihren Zielanflug begann und in starke Linksneigung ging, da hielt es die alte Dame nicht mehr an der Tür, die Flieh- und Bremskräfte rüttelten und zerrten an ihr, bis sie den Prinzipien der Physik Reverenz erweisen mußte und die Stange losließ, an die sie sich bisher tapfer geklammert hatte und plumps! im Schoß des gewaltigen Blaumannes landete. Und so schauten sie einander an, die Dame mit peinlich-unsicherem Lächeln, der Blaumann machte hingegen ein verdutztes Gesicht, um dann aber verständnisvoll und in versöhnlichem Ton festzustellen:

"Mamm, dat haste extra jemacht!"

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Freitag, 12. Mai 2006
Die Welt zu Gast bei Freunden (II) Heute: Im Puff

Es ist ja nicht so, daß Besuche unter Freunden nur mit Schwierigkeiten verbunden wären. Man muß auch nicht gleich überall hinfahren, z.B. nach Potsdam oder Aachen. Dies vorausgesetzt, darf der geneigte Besucher eigentlich auf ein recht gastfreundlich gestimmtes Land hoffen. Zu gastfreundlich, wie manche meinen. Sie erblicken in Deutschland einen Sündenpfuhl, einen Abgrund an Verderbnis, darinnen die Übeltäter gewißlich gräßlich vergehen werden. An jeder Ecke würden Damen des horizontalen Gewerbes dräuen, den frommen Besucher vom Pfad der Tugend zu locken

Wer das sagt? Neinnein, keine bartbemützten Mullayatollahs o.ä. Vielmehr sorgen sich unsere amerikanischen Freunde, die sich ja schon immer durch besondere Kohärenz, ihr Denken, Sagen und Tun betreffend, ausgezeichnet haben. Wer seinen Bürgern erst mit 21 den Alkoholgenuß erlaubt, sie aber bereits mit 17 den Heldentod sterben läßt, für den ist auch Sex etwas a priori verdammungswürdiges.

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Donnerstag, 11. Mai 2006
Freundin? Dann lieber solo.

Daß man die sog. Blogs der "Freundin" bestenfalls unter der Rubrik sie bemühten sich ablegen kann, wurde ja bereits andernorten festgestellt.

Aber niemand erklärt so schön wie Andrea Diener, wieso ich beim kurzen Testlesen ein dermaßen intensives Gefühl des Fremdschämens hatte.


[Via]

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Mittwoch, 10. Mai 2006
Condition Yellow
Ist das nur bei mir in der Gegend gerade so gelb oder leidet das ganze Land an Gelbsucht?

Meinjanur. Ziemliche Sauerei, das.

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Geh' aus mein Herz und suche Freud
In dieser schönen Sommerzeit
An deines Gottes Gaben
Schau an der schönen Gärtenzier
Und siehe wie sie mir und dir
|: Sich ausgeschmücket haben :|

2. Die Bäume stehen voller Laub
Das Erdreich decket seinen Staub
Mit einem grünen Kleide
Narzissen und die Tulipan
Die ziehen sich viel schöner an
|: Als Salomonis Seide :|.


Paul Gerhardt, 1607-1676

Und noch dreizehn weitere Strophen.

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Si hortum habes... (III)

Jetzt ist er langsam dabei, das strotzende Blühen anzufangen, der Garten. Was neulich noch bestenfalls Anlaß zu Durchhalteparolen gab, offenbart mittlerweile schon ganz andere Seiten. Weil es so schön ist, ausnahmsweise mal ein paar Bilder hintereinander, gerade eben im mittäglichen Sonnenschein aufgenommen.



Rhododendron luteum


Centaurea cyanus


Dorotheanthus bellidiformis


Azalea japonica

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Mittwoch, 10. Mai 2006
Krähenschwärme
Na, erinnert sich noch jemand an die merkwürdigsten Geschichten um den blogcounter? Sie erhält neue Beleuchtung durch die jüngsten Umtriebe des notorischen Blogspammers Thomas Promny.

In diesem Zusammenhang ist es nämlich interessant, daß ausweislich der Denic (Datum 19.4.06) der Domaininhaber von Blogcounter.de der zu unfreiwilliger Bekanntheit gelangte Christian Mielke ist (admin-c der Herr Promny höchstselbst).

Ich bin ja sowas von unverwundert.

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Jawohl, mein Führer!
Manchmal ist es wirklich schwer, angesichts bestimmter Äußerungen nicht sofort in ein saftiges, vorurteilsbeladenes "Siehste!!!" zu verfallen. Aber wenn ich so etwas lese:

"Das Prinzip Zeitung ist das Prinzip Führung. (...) Und das Prinzip Führung macht die Zeitung zugleich so zukunftssicher. Denn an das Prinzip Führung, an eine tiefe Sehnsucht nach Hierarchie, glaube ich ... fest."

... und feststelle, daß es sich zwar nicht um ein Zitat des Völkischen Beobachters, aber immerhin noch eine Sentenz des Springer-Häuptlings M. Döpfner handelt, dann entringt sich mir spontan ebenjene eingangs erwähnte Interjektion.

Rätselhaft bleibt, wie ein Mann, der sich so dermaßen vorgestrig gibt, einen Medienkonzern erfolgreich führen (sic!) will.


[Via]

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Montag, 8. Mai 2006
Affenhorde
Junggesellenabschiede sind so ziemlich das Abartigste, was in jüngerer Zeit auf dem Markt der Modemainstreamströmungen aufgetaucht ist. Was, bitteschön, treibt ansonsten unauffällige Zeitgenossen, sich in völlig enthirnter Manier zum Affen zu machen und damit auch noch arglose Zeitgenossen zu belästigen? Nicht genug damit, sie drängen überdies zum Erwerb peinlicher Unsäglichkeiten wie Plastikschnuller oder versteinerte Schokoriegel, was bestenfalls als aggressives Betteln durchgehen kann. Mittlerweile hat die Seuche auch die WeiberDamenwelt erreicht und führt dort zu ähnlich übergriffigen Phänomenen, dabei mache ich die erstaunliche Feststellung, daß genügend Alkohol sich auf verschiedengeschlechtliche Populationen völlig gleich auswirkt, sieht man vom unterschiedlichen Frequenzniveau des allfälligen Gegröhls einmal ab.

Das Rätselhafteste aber ist das vorsintflutliche Rollen- bzw. Ehebild, das vor allem die Jungs beschwören. "Letzter Tag in Freiheit", "heute darf ich nochmal", haha, für solche Witze haben sich schon meine Urgroßeltern aus Hinterpommern geschämt...

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