Hartz-IV-Empfänger sollen zum Schneeschippen angestellt werden. Dieser Vorschlag ist nicht neu, schon in vergangenen Wintern kam so mancher Politker auf die Idee, das Versagen der vom Privatisierungswahn und Renditedenken umnachteten Stadtverwaltungen mit dieser Art neudeutscher Zwangsarbeit zu kaschieren.
Trotzdem konnte ich nichts dagegen tun, das erste, was mir als Assoziation durch die Gedanken flitzte, das waren die Beschreibungen Victor Klemperers in seinen Tagebüchern, wie er 1942 zum großdeutschen Schneeschaufeln abkommandiert wurde. Natürlich, natürlich, kein passender Vergleich, wie zur Entschuldigung man sich heutzutage pflichtschuldigst zu beeilen hat. Aber dennoch, die Assoziation ist hartnäckig:
"18. Februar... Anderer Rottenführer, anderer Aufseher, wieder beide sehr human und antinazistisch. 'Sagen Sie nicht, dass wir gut zu Ihnen sind, auch nicht auf der Gemeinde, machen Sie uns lieber schlecht, sonst haben wir Ärger.'... Gestern eine junge Frau oder Dame, stehenbleibend: 'Das ist doch zu schwer für Sie' (alle meinend) – 'Sie sind zu alt, man sieht auch, Sie haben andere Berufe' – (mit leidenschaftlicher Betonung:) 'So weit ist es mit Deutschland gekommen!'"
“19. Februar... Bin bald eine Woche Schipper. Es ist eine Schmach. Zum erstenmal antisemitische Bemerkung eines jungen Passanten: 'Laßt die nur arbeiten! Gut, dass sie auch mal arbeiten.'"
"22. Februar... Verteilung der Lohnbeutel. Name ohne 'Israel’. (Straßenmeister: 'Dazu bin ich zu taktvoll.')... Bei dem Barackenplatz ist Kommen und Gehen städtischer Arbeiter. Alle sehr freundlich zu uns Besternten."
Das ist doch mal ein richtig schöner Weihnachtstitel, den sich da die Kollegen vom Spiegel dieses Jahr ausgedacht haben:

*****
Heute morgen aus dem Fenster geschaut und gedacht "Oh je, jetzt hat Google die ganze Welt verpixelt!"
War dann aber doch nur Nebel.
Das ist die neue Weltordnung. Sie wird erkennbar an der Liste der Feigheit, einer Aufzählung der Staaten, die neben China die diesjährige Verleihungszeremonie des Friedensnobelpreises an den inhaftierten chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo boykottieren:
Afghanistan
Ägypten
Irak
Iran
Kasachstan
Kolumbien
Kuba
Marokko
Pakistan
Philippinen
Rußland
Saudi-Arabien
Serbien
Sudan
Tunesien
Ukraine
Venezuela
Vietnam
Neben der geradezu grotesken mangelnden Souveränität der Pekinger Potentaten fällt vor einem eines ins Auge: Was ihre Funktionsprinzipien angeht, unterscheidet sich die neue Weltordnung nicht besonders von der alten.
Danke, Willy Brandt.
Der Weihnachtsmann hat nie gelebt. Sehr im Unterschied zum Nikolaus.
Noch vor ein paar Tagen brummte eine geschäftige Hummel durch meinen Garten, um vor der Winterruhe die letzten Besorgungen zu machen. Ziemlich spät, aber dennoch zur rechten Zeit, denn die Christrosen sind gerade erblüht.

Jetzt ist die gleiche Stelle nicht mehr wiederzuerkennen. Denn es herrscht strenger Frost überm Schnee, unter dessen Helligkeit die Blüten nicht einmal mehr zu erahnen sind. Die Hummel aber wird, tief im Erdreich verborgen, dem Frühling entgegenschlummern und den kalten Winter einfach verschlafen.

Kalt wird es in der Tat, auch unsereins stellt sich die Frage, wie ein bißchen Wärme ins klamme Dasein gezaubert werden kann. Die übliche Antwort der Gegenwart ist natürlich "noch mehr digitaler Konsum". Also immer her mit dem neuesten Gadget, damit man dazu gehört, Teil der großen Jüngergemeinde und damit auf der richtigen Seite ist. Blechseelen wärmt sowas.

Aber anstatt sich mit iPhones, iPods und iPads einzudecken, besorgen sich manche etwas viel Altmodischeres. Eine Espressomaschine zum Beispiel. Hält wesentlich länger und produziert überdies ungemein köstlichen und heißen Wohlgeschmack.

Und zwar 24/7. Vielen Dank, ihr paranoiden Hysteriker.
*****
