Mittwoch, 12. Juni 2013
Römische Stadtluft macht wieder frei

Was hierzulande unter allerlei Hochwasser- und NSA-Schnüffelberichterstattung untergegangen ist: in Italien gab es am Sonntag und Montag in vielen Städten Kommunalwahlen. Mich persönlich hat nicht so sehr interessiert, wie stark Beppe Grillos Cinque Stelle in den Orten abschnitten, in denen sie angetreten waren. Viel interessanter war für mich Rom, wo neben dem Stadtparlament auch ein neuer OB gewählt wurde.

Überraschend deutlich unterlag hier der bisherige Amtsinhaber Gianni Alemanno von Berlusconis PdL seinem Herausforderer Ignazio Marino von der Mitte-Links-Opposition. Mit 64 zu 36 Prozent wurde Alemanno von seinem Herausforderer in der Stichwahl ziemlich deutlich versenkt.

Mich persönlich – als altem, zwischenzeitlichem Wahlrömer - freut das ganz ungemein. Nicht so sehr, weil Alemanno von seinen großen Versprechungen zum Wohle der Stadt fast nichts gehalten hat. Das war bei seinen Vorgängern nicht anders und auch der designierte Nachfolger Marino wird sich zweifellos hier einreihen. Aber daß ausgerechnet einer wie Alemanno die erstaunlichste Stadt des Universums repräsentierte, hat mich immer ein Stück beleidigt, jedes Jahr, seitdem er 2006 ins römische Kapitol, dem Amtssitz des Bürgermeisters, eingezogen war. Dort war der einstige Aktivist des neofaschistischen Movimento Sociale Italiano von Anhängern mit dem "römischen Gruß" empfangen worden. Zuvor hatte er sich in der Jugendorganisation des MSI engagiert und wurde von 1988 bis 1991 sogar Häuptling des Fronte della Gioventù. In dieser Zeit macht er sich vor allem als Anführer kampfstarker Schlägerbanden stark, die auch schon mal Molotowcocktails gegen die sowjetische Botschaft warfen, wenn sie nicht Meinungsgegner krankenhausreif prügelten.

Gottseidank ist der Mann weg. Ein Grund zum aufatmen.




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